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Georg Forster: Über die Bevormundung der Vernunft, 1793




Das Pisa-Ranking soll uns klarmachen, dass die Kinder hierzulande nichts lernen wollen ... Bekennende Schulversager könnten einwerfen, vielleicht wird ja auch nichts Vernünftiges gelehrt (Bedienung unvernünftiger Software inbegriffen) ...

Schon Georg Forster, Begleiter James Cooks in die Südsee und Zeitgenosse der Französischen Revolution, wusste davon ein Lied zu singen:



Über die Bevormundung der Vernunft

... Vernunft und Freiheit, hieß es dann, wären allerdings schätzbare Vorrechte; nur könnten sie, der Natur der Dinge dieses Erdrundes gemäß, bloß das Eigenthum einer geringen Anzahl vorzüglich begünstigter Menschen seyn, und die Geschichte zeuge, daß zu allen Zeiten, in allen Ländern und Staaten, Unwissenheit und ungebildetes Gewohnheitsleben das Loos der Menge gewesen wären.
... und daß sie mit ihren Herren, die zur Arbeit und zum Gehorsam geschaffene Menge verachten lernten.

Unselige, grausame Menschenverachtung! Sie war es selbst, die jene traurigen Erscheinungen der Unwissenheit und Sklaverei unter der Menge verewigte, indem sie den Ehrgeizigen zuerst über seines Gleichen hob ...

... Man hebe doch nur die Last, die eine ungerechte Regierung der arbeitenden Klasse aufgebürdet hat, von ihren müden Schultern; man zwinge sie nicht länger, die Früchte ihres Fleißes dem privilegierten Räuber und Müßiggänger hinzugeben ...

Wenige, fruchtbare Wahrheiten, der reine Ertrag des äonenlangen Kampfes der Vernunft gegen Irrthum, Wahn und Betrug, genügen dem gesammten Menschengeschlechte ... Wer kennt aber nicht dagegen den ungeheuren Wust, womit man das Gedächtniß auch des geringsten Tagelöhners belastet, um seinen Verstand zur Unthätigkeit zu zwingen? Ammenmärchen und kindische Widersprüche in der Anwendung der Begriffe von Ursache und Wirkung, statt einer gründlichen Anleitung zur Kenntniß der umgebenden Natur; ... ausgelernte Stellungen und Töne, grobe Taschenspielerkünste, freche Heiligung lebloser Fetische, widersinnige Vorstellungen von Belohnung und Strafe, Unterdrückung der Vernunft durch den seliggepriesenen Glauben an Unsinn, Unmöglichkeit und Lüge ... Diese Werkzeuge der künstlichen Unwissenheit trugen die Erzieher des Menschengeschlechts zusammen ...

Die Hälfte der Zeit, die mit albernen Mummereien, hergeplapperten Formeln, abgeschmacktem Gewäsch über unbegreifliche Dinge, langweiligen Unterricht in unfruchtbaren Kenntnissen unverantwortlich verschwendet wird, reichte hin, die Aufmerksamkeit des gemeinen Mannes auf sich selbst und seine Verhältnisse zu richten ...
Hinweg daher mit dem ungerechten Spotte, daß die Schutzredner der Menschheit sich in unausführbaren Theorieen versteigen und Gelehrte hinter dem Pfluge sehen möchten ...


[Georg Forster: Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit.]

Den vollständigen Text findet man bei  zeno.org .


  Stephan Theodor Hahn, Bad Breisig, am 17.1.2009





Thema Umwelt